claudia bitran | be drunk 26.11.2020 - 13.02.2021

In ihrer ersten Einzelausstellung in Europa präsentiert die aufstrebende New Yorker Multimedia Künstlerin Claudia Bitran in der Walter Storms Galerie ihre neueste Werk-reihe unter dem Titel „Be Drunk“ nach dem gleich-namigen Gedicht von Charles Baudelaire. Ihre zweiteiligen Arbeiten bestehen jeweils aus einem Gemälde und einem Videoclip, die eine Brücke zwischen Social Media Posts, klassischer Malerei und Neuen Medien schlagen.

Claudia Bitran hat einen ganz besonderen Arbeitsmodus, denn sie malt und fotografiert gleichermaßen. Sie beginnt mit einer gemalten Szenerie auf Leinwand, fotografiert diesen fertigen Zustand und übermalt ihn im nächsten Arbeitsschritt. So geschieht es mehrmals abwechselnd, bis das Bild vollendet ist. Die einzelnen Fotos, aneinandergereiht wie in einem Comic-Strip, werden zu einem bewegten Videoclip montiert und begleiten das Gemälde wie eine Dokumentation des auf der Leinwand verborgen Bildgeschehens. Bitran nennt dies „Stop-Motion-Painting-Animation“.

Inhaltlich beziehen sich Bitrans Leinwandarbeiten auf Videos aus diversen sozialen Netzwerken, die von deren Usern dort freiwillig hochgeladen und der Öffentlichkeit preisgegeben werden. Mit deren Weiterverwendung extrahiert Bitran Wahrheiten, die Teil unserer sich ständig weiterentwickelnden, visuellen Kultur sind.

Für diese Ausstellung hat Bitran vornehmlich Videos als Vorlage benutzt, die im Kontext mit Baudelaires Lyrik zu verstehen sind. In seinem Gedicht „Be Drunk“ aus dem Jahr 1869 ermuntert Charles Baudelaire alle Menschen dazu, konsequent „betrunken“ zu sein. Betrunken zu sein muss nicht mit übermäßigem Alkoholkonsum assoziiert werden, es kann auch durch alles verursacht werden, was Freude und Glück bringt, eine positive Erfahrung verursacht und das Gefühl, sich frei von der Welt zu fühlen; die unbekümmerte Sucht, die uns geistige und emotionale Freude aber auch Scheitern und Peinlichkeiten bereitet. Dabei tun sich groteske Verhaltensweisen und menschlichen Abgründe auf, nur um eben diesen ersehnten „Kick“ oder den Zustand des „Berauschtseins“ zu erlangen.

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