Turi Simeti – Im Kontext der europäischen Bewegung der Konkreten Kunst der 60/80er Jahre 18.03.2021 - 29.05.2021

Parallel zur Einzelausstellung präsentiert die Galerie die Gruppenausstellung „Turi Simeti – Im Kontext der europäischen Bewegung der Konkreten Kunst der 60er und 70er Jahre“, u.a. mit Werken von Dadamaino, Stanislav Kolíbal, François Morellet und Günther Uecker.

Turi Simetis Frühwerk entstand im Kontext seiner Begegnungen mit dem schon in den 50er Jahren weltberühmten Alberto Burri in Rom. Burri reflektierte in seinen Bildreliefs und Materialcollagen mit angebrannten Hölzer und Plastikfahnen die Schrecken des Krieges. Von ihm übernahm Simeti seine Versuche im Umgang mit Feuer und Karton. Die angesengten Teile schrumpften zu amorphen Formen. In diesen entdeckte Simeti das ihn von nun an in seinen künstlerischen Recherchen begleitende und bestimmende Motiv des Ovals.

Mitte der 60er Jahre eröffnete Simeti sein Atelier in Mailand, etablierte sich im Umkreis von Künstlern wie Enrico Castellani, Agostini Bonalumi Dadamaino, Piero Manzoni, Paolo Scheggi u.a. und nahm teil an der legendären Ausstellung ZERO Avantgarde 1965 im Studio von Lucio Fontana.

Dadamaino (1930 – 2004) war die Grande Dame der Mailänder Kunstszene um die Gruppe Azimuth, die seit Mitte der 50er Jahre das italienische Äquivalent zu ZERO im Rheinland, den Nouvelles Realistes in Südfrankreich und der niederländischen Gruppe NUL bildete. In den um 1958 entstandenen „Volumi“ schnitt Dadamaino kreis- oder ovalförmige Löcher in die Leinwand. Mit ihren cut-outs bietet sie – anders als ihr großer Lehrmeister Lucio Fontana – einen Blick in immaterielle Leere.

Agostini Bonalumi (1935-2013) war 1958 zusammen mit Piero Manzoni und Enrico Castellani Mitbegründer der gemeinsamen Zeitschrift und Galerie Azimuth. Inspiriert von Lucio Fontanas Werken, entwickelte Agostino Bonalumi die Werkgruppe “Extroflexionen”, monochrome Leinwände mit Vinyl-Tempera und veränderten Keilrahmen, welche die Oberfläche des Werkes modellieren und unterschiedliche filigrane geometrische Reliefs erzeugen.

Bei dem historischen Ereignis 1965 im Studio Lucio Fontanawar aus Deutschland neben Hans Haacke, Adolf Luther, Heinz Mack, Otto Piene auch Günther Uecker (geb.1930) mit dabei. Im Laufe seiner langen und weltweiten Karriere wurde Ueckers Werk mehrmals in Italien gezeigt, so 1970 bei seinem Auftritt im deutschen Pavillon bei der 35. Biennale von Venedig, in Einzelausstellungen 1986 in der Galleria Martano, Turin und Studio Leonardi, Genua, 1987 im Studio Carlo Grossetti, Mailand, 2004 „Zero. 1958-1968 tra Germania e Italia“, Palazzo delle Papesse, Siena, 2012 im Ca´Pesaro, Venedig.

Ihre ersten Einzelausstellungen in Deutschland hatten 1971 Ulrich Erben (geb.1940) und Turi Simeti gleichzeitig in der bekannten Galerie m von Alexander v. Berswordt Wallrabe in Bochum, die Institution für „Neue Konkrete Kunst“. Beide Ausstellungen hatten anschließend eine 2. Station in der Galerie Loehr in Frankfurt. Bis heute hatte Simeti zahlreiche Ausstellungen in ganz Deutschland, so wie auch Ulrich Erben fand er im etruskischen Bagnoregio sein Zweitdomizil und präsentiert regelmäßig in prominenten italienischen Galerien sein Werk.

Stanislav Kolíbal, geb. 1925, hat seit Anfang der 50er Jahre ein unverwechselbares skulpturales und zeichnerisches Œuvre geschaffen, das in der systematischen Reduktion auf einfache Strukturen und Materialien eine starke konzeptuelle Position innerhalb der Kunstrichtungen Minimal Art und Arte Povera einnimmt. Simeti und ich sind uns über viele Jahre hinweg oft bei Kunstmessen und anderen Kunstevents begegnet, zuletzt bei der Vernissage der Retrospektive von Stanislav Kolibal im tschechischen Pavillon der Biennale von Venedig 2019. Bei dieser Gelegenheit haben wir die aktuelle Ausstellung in meiner Galerie beschlossen, die nun leider die letzte von Simeti selbst eingerichtete Show ist.

Mit seinem singulären Werk 1965/1- gehört Roman Opalka (1931-2011) heute zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Weltkunst. 1995 feierte er mit seiner Einzelausstellung im polnischen Pavillon bei der Biennale von Venedig einen großen Erfolg. 1985 vermittelte ich die ersten Opalka Bildern in die Sammlung Lenz Schönberg, eine der umfangreichsten Privatsammlungen Konkreter Kunst aus Europa mit zahlreichen Werken u.a. von Agostino Bonalumi, Enrico Castellani, Lucio Fontana, Piero Manzoni, François Morellet, Yves Klein, Roman Opalka, Stanislav Kolíbal, Günther Uecker und Turi Simeti.

Rupprecht Geiger (1908-2009) war 1949 Mitbegründer der Künstlergruppe ZEN 49 in München und ein herausragender Vertreter der gegenstandslosen Kunst in Deutschland. Zunehmend konzentrierte er sich auf die Farbe Rot und wählte als Bildform überwiegend den „gedrückten Kreis“. Simeti und Geiger haben sich nie persönlich kennengelernt, sich aber sicherlich viel zu sagen gehabt. Für mich schließt sich mit der Begegnung zweier Protagonisten der bildhaften Suche nach Farbe und Licht der Kreis dieser Ausstellungsidee.

Die Ausstellung ist gefördert durch:

     

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