marco gastini 30.03.2011 - 30.04.2011

In unserer aktuellen Ausstellung ‚Marco Gastini – Attimi sospesi‘ präsentieren wir eine Auswahl neuerer Bildwerke und Papierarbeiten des in Turin lebenden Künstlers, die seit der letzten Münchner Ausstellung 2004 bis in die jüngste Zeit hinein entstanden sind.

In seiner über 50 Jahre währenden Beschäftigung auf dem Gebiet der konkreten Malerei hat sich Gastini eine unverwechselbare Position innerhalb der italienischen Gegenwartskunst erarbeitet.
Seine neuen Arbeiten, sowie die 2005 entstandene Werkgruppe Echi, aus der wir das Bild Stoicheion zeigen, stellen eine Synthese verschiedenster Stilmittel dar, die Gastinis Kunst bereits in den vergangenen Dekaden prägten. So finden sich auf den meist großformatigen Leinwänden zum Beispiel minimalistische Spuren, Kohlezeichnungen im gestisch mit der Hand aufgetragenen Perlweiß, wie sie bereits auf Arbeiten am Anfang seiner Karriere anzutreffen waren. Die für ihn so typische perlmutterne Gestaltung der Bildoberfläche betreibt Gastini bereits seit 1974. Ihre Bedeutung liegt vor allem in dem besonderen Schimmer der Oberfläche, der dem Künstler zufolge zum einen der Summe aller Farben entspricht und zum anderen den zweidimensionalen Bildraum zur dritten Dimension hin öffnet. Auch die flächige Verwendung reinen ultramarinblauen und kohlschwarzen Pigments gehört seit den 80er Jahren zu Gastinis Bildvokabular.
Eine der Grundfragen im Werk Gastinis stellt seit jeher die komplexe Problematik der Transformation von Materie in Malerei und damit einhergehend die Ausdehnung des Bildraums dar. Das wird bereits in den frühen Blei- und Plexiglasbildern deutlich. Entlang dieser Fragestellung entwickelt Gastini seit den 90er Jahren durch den Einsatz verschiedenster Materialien, wie Holz, Blei, Glas, Ton, Eisen, Schiefer, immer wieder komplexe, in den Raum greifende Organismen, die den Bildraum zum Betrachter hin erweitern. Spielerisch gelingt es Gastini die Materie von ihrer Schwere zu befreien und die einzelnen Bildelemente in eine harmonische Spannung zueinander zu setzen.

Seit Beginn seiner Ausstellungstätigkeit 1964 wurde Gastinis Werk, das auch in der Sammlung des MoMA in New York vertreten ist, in zahlreichen europäischen Museumsausstellungen gewürdigt. 1982 stellt er den italienischen Beitrag zur Biennale von Venedig. Es folgen weitere internationale Einzelausstellungen, u.a. im Museo de Arte Moderna, Rio de Janeiro (1989), im Kunstverein Frankfurt und Kunstverein St. Gallen (1993) und Orangerie im Schloßpark Belvedere, Weimar (1998). 2001 widmet die Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, dem Künstler eine umfassende Retrospektive. Den umfangreichsten Katalog zu Marco Gastini in deutscher Sprache publiziert 2005 die Kunsthalle Göppingen. Aktuell werden Gastinis Werke gezeigt in der Ausstellung “Gran Torino: Italian Contemporary Art“ im Frost Art Museum, Miami, Florida.
Seit der ersten Einzelausstellung Gastinis, die wir 1978 zeigten, begleiten wir sein Schaffen mit regelmäßigen Ausstellungen und vertreten ihn exklusiv in Deutschland. Gastini, 1938 in Turin geboren, lebt und arbeitet dort.

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