gerhard merz 18.05.2010 - 31.07.2010

Seit Mitte der siebziger Jahre hat Merz in seiner Kunst ein Konzept der Malerei entwickelt, das stark durch Architektur bezogenes Denken bestimmt ist. Von der Idee ausgehend, dass die Moderne nur mit den Mitteln der Architekturfortgeführt werden kann, untersucht Merz seit Jahren systematisch die Tragfähigkeit bestimmter architektonischer Ausdrucksformen, besonders die von Mies van der Rohe. Neben dem Bezug zu den Bemühungen der Moderne sind seine Bezugspunkte die konzeptuellen Auffassungen und Erfahrungen der Kunsttheorie der siebziger und achtziger Jahre. Dabei nimmt Merz einen Standpunkt ein, der von der Kunst als einem autonomen geistigen Bereich ausgeht. Sowohl hohe Komplexität der reflektierten Bezüge – zu nennen sind Marcel Duschamp, Kasimir Malewitsch, Barnett Newman, Ad Reinhardt – als auch größtmögliche formale Klarheit werden in jedem seiner Werke angestrebt. Das Singuläre seiner Position und die hohe ästhetische Qualität seiner Werke machen ihn zu einem der renommiertesten und einflussreichsten deutschen Künstler der Gegenwart. So realisierte er weltweit große Projekte im Kontext musealer Architektur und im öffentlichen Raum, zuletzt „Pavillon“ im alten Hauptgüterbahnhof von Hannover im Jahr 2000, „Fragment Grande Galerie I-XIV“ 2002 in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf sowie die umfassenden Präsentation „Fragmente Bregenz 2003“ im Kunsthaus Bregenz und „Re-object“ 2007 im selben Haus.

Den Schwerpunkt der Ausstellung bildet eine Serie von sechs monochromen großformatigen Bildern, in denen Merz Bezug nimmt auf Leonardo da Vincis „Traktat der Malerei“. Auch in der Farbwahl läßt er sich vom Meister der Renaissance leiten und greift auf Pigmente zurück die zur damaligen Zeit verwendet wurden.

„Indem Gerhard Merz sich der „zeitlosen“ Mittel der abstrakten Malerei und Plastik bedient, gestaltet er sie als unmittelbar sinnliche Anschauung einer idealen Raumsituation, in der alle Teile in einer klaren Beziehung zum Ganzen stehen. Mit der geordneten Beziehung der Teile unter sich und zum Ganzen artikuliert er ein im Menschen vorhandenes Bedürfnis nach Schönheit, nach Sinn. Und dies geschieht allein durch die Anordnung der bildnerischen Mittel: Maß, Licht, Farbe, Fläche, Raum – ohne jeden Bezug auf eine außerkünstlerische Realität, weil er in dieser weder einen Sinn noch eine Schönheit sieht.“ Herbert Molderings, Gerhard Merz, „Ein Künstler des Agnostizismus“

Gerhard Merz, geboren 1947, hat an der Münchner Akademie Malerei studiert. Er lebt heute in Pescia bei Lucca in Italien und lehrte 1991-2004 an der Kunstakademie Düsseldorf und seitdem an der Akademie der Bildenden Künste München.

zurück